Angst vor dem Sterben, Angst vor dem Tod
- Angst, einsam zu sterben.
- Angst, von andern abhängig zu sein.
- Angst, nicht für mündig genommen und nicht respektiert zu werden.
- Angst, getäuscht und nicht wahrheitsgemäss aufgeklärt zu
werden.
- Angst, lange leiden zu müssen: Schmerzen, Atemnot, Kontrollverlust
über Körper und Geist.
- Angst, nicht sterben zu dürfen.
- Fragende Ängste: Was wird aus den Meinen, den nächsten und geliebten
Menschen und nach dem Tod? Was bleibt von mir nach meinem Tod? Was kommt nach
dem Tod?
- Quälender Zweifel, ob wir nach dem Tod ins völlige Nichts eingehen,
und dadurch das gelebte Leben zur sinnlosen Absurdität wird, wie Sartre
es ausdrückt.
- Angst, sich trennen zu müssen von Menschen, Dingen, Erreichtem, von
Zielen, die man noch anstreben möchte.
Die Angst kommt, wenn mir bewusst wird, dass ich selbst sterben werde.
Der Gedanke an die Endlichkeit schmerzt. Er wird umso schmerzlicher, je weniger
ich mein Leben „richtig“ gelebt habe und je näher Alter und Tod rücken.
Denn dann wird die Zeit noch etwas zu ändern, immer kürzer.
Wir leben nur richtig, wenn wir die Tatsache des Todes in unser Leben integrieren.
Verdrängte Todesangst meldet sich in anderer, verstärkter Form: z.B.
in grundlosen Befürchtungen und Phobien. Die Tatsache des Todes ins Leben
integrieren heisst allerdings nicht, mit hängenden Köpfen stets an
den Tod denken zu müssen. Wir müssen lernen, unserem eigenen Tod zu
begegnen, die Angst vor dem Tod bewusst auszutragen.
„Wie du bei deinem Tod gelebt zu haben wünscht, so solltest du schon jetzt
leben.“
Phasen des Trauer- und Sterbeprozesses
Die Sterbeforscherin Dr. Kübler-Ross beschreibt in ihrem Buch „Interviews
mit Sterbenden“ folgende grundlegende Phasen, die jedoch individuell durchlebt
werden. Zwischen Annehmen und Ablehnen gibt es Zeiten, in denen sich der Betroffene
sich selber oft nicht aushält. Eine Art seelischer Pubertät. Die Phasen
laufen nicht schön der Reihe nach ab. Schwankungen und zurückfallen
in frühere Phasen gehören zum Reifungsprozess.
- 1. Phase: Nicht-wahrhaben-wollen / Isolation der Gefühle. Die Tatsachen
der schweren Krankheit wird verdrängt. Ebenso der nahende Tod. „Das kann
doch nicht sein“. Der Patient und die Angehörigen haben keinen Glauben
an den Arzt. Es kommt oft zum Arztwechsel und neue Untersuchungen werden verlangt.
Der Patient lässt seine wahren Gefühle nicht zu und isoliert sich.
In dieser Phase ist es sehr wichtig den Patienten / Angehörigen die Wahrheit
zu sagen. Die Wahrheit hilft, dass man nachher offen sprechen kann. Man muss
dem Patienten / Angehörigen auch die Freiheit lassen, die Gefühle
momentan verdrängen zu dürfen. Das gibt ihm die Möglichkeit,
Kraft zu sammeln für seinen weiteren Weg.
- 2. Phase: Zorn. Die Frage nach dem „Warum ich?“ quält den Betroffenen.
Man verspürt Wut auf die Mitmenschen und gesamte Umgebung. Man kann dem
Betroffenen nichts mehr recht machen. Der Betroffene entlädt seine Wut
an den Angehörigen und an der Umgebung. Das ist jedoch nicht böse
gemeint, sondern gegen die Krankheit gerichtet. Darum darf man diese Wutausbrüche
nicht als persönlichen Angriff werten. Das Ausleben dieser Gefühle
ist enorm wichtig für das Weiterkommen.
- 3. Phase: Verhandeln. Der Betroffene hofft, davon zu kommen. Er bittet Gott
um Aufschub des Todes. In dieser Phase darf man dem Betroffenen die Hoffnung
nicht nehmen, aber auch keine falschen Hoffnungen machen. Da sein und verstehen,
das ist eine grosse Anforderung an die Angehörigen.
- 4. Phase: Depression. Trauer über das, was man verlassen muss, steht
im Vordergrund. Der Betroffene ist niedergedrückt, still, in sich gekehrt,
weint viel. Er zieht sich zurück und isoliert sich. Es ist wichtig, die
Betroffenen oder Angehörigen trauern zu lassen, aber trotzdem für
sie da zu sein. Körperkontakt und Nähe sind sehr wichtig, das wird
akzeptiert. Oft sind nicht viele Worte nötig, Betroffene müssen
fühlen, dass jemand da ist.
- 5. Phase: Zustimmung. Der Betroffene akzeptiert seinen Zustand, seine Krankheit,
seinen Tod. Das verbleibende Leben wird richtig ausgekostet, ist dankbar für
jeden Tag. Er findet oft seinen inneren Frieden und sieht den Tod nicht als
böser Feind, sondern als Erlöser.