Thema
Krisen
Was sind die Bedeutung
und Funktion von Krisen?
Krisen gehören zum
Leben wie die Nacht zum Tag. Auch der Dunkelheit in unserem Leben folgt ein
neuer Morgen, aber die Nacht muss durchgestanden werden. Wie die Nacht die Gegenseite
des Tages ist, ist die Krise die Gegenseite der Entwicklung. Krise ist die Beschreibung
eines Vorganges, bei dem es im „normal verlaufenden Leben“ plötzlich innerhalb
von kurzer Zeit zu einer Entscheidung kommt. Im schlimmsten Fall um Überleben
und Tod, Gewinn oder Verlust. Als Krise wird eine Situation bezeichnet, in der
alle bisherig bekannten Problemlösungsstrategien versagen. Es handelt sich
um eine schwierige und komplexe Situation in der neue Wege und neue Strategien
gefunden werden müssen, um mit der Situation zurecht zu kommen. Man hat
die Möglichkeit diese Situation bewusst anzunehmen oder sie zu verdrängen.
Eine Krise bedeutet Gefahr, sie kann aber auch zur Chance werden, wenn der Mensch
durch diese Krise hindurch eine neue, bessere Möglichkeit des „Leben Könnens“
findet.
Krise kommt aus dem Griechischen.
„crisis“ bedeutet „Wendepunkt“.
Krisen sind:
· Immer wichtige, entscheidende Phasen im Leben und in der Entwicklung
des Menschen.
· Tiefpunkte / Wendepunkte in unserem Leben, die unsere Entscheidung
herausfordern.
· Phasen der Neuorientierung und des Reifens, die aber mit Angst und
Unsicherheit verbunden sind.
· Nichts Schlechtes! Wichtig ist, dass wir uns damit auseinander setzen.
Mögliche Krisenverläufe:
Krisen werden ausgelöst,
wenn ein Problem auftritt, dass...
... sich nicht sofort lösen lässt.
... nicht ausgewichen oder entflohen werden kann.
... nicht mit den gewohnten Strategien bewältigt werden kann.
Es entstehen Desorientiertheit,
Verwirrung, Depression und Aggression. Die psychische Verfassung des Menschen
ist instabil, chaotisch. Durch die Lösung des Problems kommt es wieder
zur Stabilität. Eine Krise ist immer zeitlich begrenzt.
Gerhard Caplan hat ein Modell zum Krisenverlauf erarbeitet. Er hat die Stationen
des Krisenverlaufs in vier Phasen eingeteilt.
- Phase 1: Eine belastende
Situation wird ausgelöst. Der Mensch wendet für die Problemlösung
für ihn erprobte und typische Strategien an. Das Problem ist aber zu
gross um mit diesen bekannten Strategien gelöst zu werden. Es kommt zu
Spannungszuständen, Krisensignalen, Alarmzustände.
- Phase 2: Anforderung ist grösser
und komplizierter als gewohnt. Gefühle der Unsicherheit und Überforderung
treten auf. Es kann keinen Widerstand gegen die Bedrohung geleistet werden.
- Phase 3: Hält das Problem an, greift der Mensch
zu Notfallmassnahmen. Er mobilisiert neue Kräfte und sucht neue Perspektiven
zur Problembewältigung. Er probiert neue Strategien aus und sucht Hilfe.
- Phase 4:
- Positiver Krisenverlauf:
Das Problem kann bewältigt werden. Der Mensch gewinnt wieder an Stabilität.
- Negativer Krisenverlauf:
Erschöpfung, Rat- und Hilflosigkeit. Der Mensch kann trotz aller
Mühe seine Krise nicht bewältigen. Erschöpfungszustände
treten auf bis zum Zusammenbruch. Mögliche Selbstmordgefahr besteht.
Nicht jede Krise verläuft positiv.
Bewältigung von Krisen:
- Jeder Mensch muss selbst
durch seine Krise. Er braucht dabei Unterstützung und Begleitung von
seinem Umfeld. Es ist wichtig, die Begleitung und Unterstützung durch
die Mitmenschen anzufordern, sie zu zulassen und sie anzunehmen.
- In Krisenzeiten sind die Menschen wie
blockiert. Es ist ihnen nicht möglich, neues zu Lernen oder ihre volle
Leistungen zu erbringen.
- Es ist wichtig, über Trauer, Verluste und
Ängste zu sprechen. Eine Vertrauensperson zu haben!!!
- Sich hilfreiche Beschäftigungen zuzulegen und ausgleichende Tätigkeiten
zu suchen wie z.B. in die Natur hinaus gehen, Hobbys nachgehen, Freunde treffen,
Ruhe suchen...
- Wenn nötig, fachliche Hilfe in Anspruch nehmen wie z.B. Selbsthilfegruppen,
Seelsorger, Sozialdienst, Beratungsstellen, Psychologen, Psychiater...
- Niemand kann einem andern Menschen eine Krise abnehmen. Man kann ihn
nun darin begleiten und unterstützen. Als Begleitperson muss man auch
viel Geduld und Verständnis aufbringen. Aber durch „über das Problem
sprechen“ neue Lösungen für sich finden.